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Stichwort: Anglizismen

Ob Smartphone, Shitstorm oder Smoothie: Anglizismen sind im deutschen Sprachgebrauch allgegenwärtig. Anglizismen sind Wörter oder Wortgruppen, manchmal auch ganze Sätze, die aus dem Englischen Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Einige dieser Begriffe stehen für Produkte und Erfindungen, die es vorher nicht gab und deren englische Bezeichnung man deshalb übernommen hat: Sandwich, Jeans, Computer, Server oder Internet sind typische Beispiele. Deren Verwendung leuchtet durchaus ein.

Kritisch sehen Sprachexperten den Einsatz von Anglizismen dann, wenn Inhalte gemeint sind, die man problemlos auch in deutscher Sprache vermitteln könnte. Jüngst saß ich jemandem gegenüber, der von „core business“, „absaven“ und „market leader“ sprach. Genauso gut hätte er Kerngeschäft, sichern und Marktführer sagen können. Gerade in der Werbebranche hat es sich zu einem Schick entwickelt, englisches oder englisch klingendes Fachvokabular ins Gespräch einfließen zu lassen.

Gegen Anglizismen ist an sich nichts einzuwenden, wenn sie helfen, Dinge präziser zu bezeichnen. Aber wenn sie sich nahezu unbemerkt in unseren Sprachgebrauch schleichen, ohne eine Bereicherung zu bieten, bedeuten sie einen Sprachverlust.

Besonders perfide sind jene Anglizismen, die in deutschen Wörtern daherkommen, von ihrer grammatikalischen Konstruktion her aber keinen deutschen Ursprung haben. Ein gutes Beispiel ist die Jahresangabe „in 2014“ − die es im Deutschen nicht gibt. Richtigerweise würden wir „im Jahr 2014“ oder einfach „2014“ sagen. Scheinentlehnungen, also Wörter, die englisch klingen, im Englischen aber gar nicht existieren, sind eine andere Anglizismus-Variante aus der Reihe „Wörter, die die Welt nicht braucht“. Warum wir in Deutschland unser Mobiltelefon Handy benannt haben, obwohl es in England mobile phone und im Amerikanischen cell phone heißt, mutet heute unverständlich an.

Noch peinlicher sind jene Anglizismen, die in der Ursprungssprache etwas ganz anderes bedeuten als im Deutschen. Die angesagten Umhängetaschen, die wir gern Bodybags nennen, bezeichnen im Englischen einen Leichensack. Und denken Sie an diesen Beitrag, wenn Sie bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft zum Public Viewing gehen: Im amerikanischen Englisch nennt man die öffentliche Aufbahrung eines Toten so. Die Spieler als „Kicker“ zu bezeichnen, geht dagegen wohl schon als eingedeutscht durch.

Texte im geschäftlichen Kontext professionell gegenlesen zu lassen, ist auch aus diesem Blickwinkel sinnvoll. Haben Sie Interesse an einem Lektorat Ihrer Präsentationen, Magazine, Geschäftsberichte oder sonstiger Publikationen? Kontaktieren Sie mich, ich erstelle Ihnen gerne ein Angebot.

Kommas und und

Keine Regel ohne Ausnahme − auch in der deutschen Grammatik gilt das (in der Regel ;-). Zu den typischen Nachfragen von Kunden, die Lektoren häufiger hören, gehört folgende: „Aber vor ,und‘ steht doch kein Komma?“ Die richtige Antwort darauf lautet: Manchmal schon. Es kommt ganz darauf an, was gesagt werden soll! Denn auch hier gilt, dass ein kleines Komma den Sinn eines Satzes verändern kann.

Grundsätzlich steht ein Komma vor einem ,und‘, wenn es einen eingeschobenen Nebensatz abschließt, etwa so: „Ich mag Erdbeeren, Äpfel, die süß schmecken, und Aprikosen.“ In diesem Beispiel wird der Relativsatz, der die Äpfel näher beschreibt, mit einem Komma eingeleitet. Um diesen Einschub vom übergeordneten Satz abzugrenzen, muss man den Nebensatz wieder mit einem Komma abschließen.

Einschübe müssen mit Kommas als solche gekennzeichnet werden, auch wenn daran ein ,und‘ anschließt. Sonst kann sich sogar der Sinn eines Satzes verschieben, wie etwa in folgendem Beispiel. „Peter, mein Bruder, und seine Frau“ beschreibt zwei Personen: 1. meinen Bruder mit dem Namen Peter sowie 2. seine Gemahlin. Dagegen meint: „Peter, mein Bruder und seine Frau“ drei Personen: 1. einen Mann namens Peter, 2. meinen Bruder, der nicht namentlich genannt wird, sowie 3. dessen Frau. So ein kleines Komma kann also tückische Folgen haben …

Wenn Sie sich mit den Feinheiten der deutschen Kommasetzung nicht gerne beschäftigen, aber dennoch in Ihren Verträgen, Geschäftsberichten, Präsentationen oder anderen geschäftlichen Publikationen auf Nummer sicher gehen möchten: Lassen Sie Ihre Unterlagen von einem professionellen Lektorat wie Wortkultur überprüfen. Hier können Sie Ihre Anfrage versenden.

Nur in der Schweiz richtig: Strasse

Die Rechtschreibreform hat für allerhand Missverständnisse gesorgt. Zu einem der verbreitetsten Irrtümer gehört die Annahme, dass man die Bezeichnung des Firmen- oder Privatwohnsitzes „Strasse“ nennt. Die einzig richtige Schreibung lautet „Straße“ – es sei denn, man lebt und schreibt in der Schweiz, dort kennt man das „scharfe ß“ prinzipiell nicht.

Der Fehler basiert zumeist auf der Vermutung, dass nach den neuen Rechtschreibregeln beide Varianten zulässig sind. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Es gibt wohl Wörter, die in unterschiedlichen Schreibungen richtig sind – zum Beispiel so genannt und sogenannt oder Kannbestimmung und Kann-Bestimmung –, „Straße“ gehört allerdings nicht dazu.

Denn die Schreibung des stimmlosen s-Lautes entscheidet sich an seiner Stellung und Umgebung innerhalb des Wortes. Grundsätzlich steht ein ß nach Verbindungen aus zwei Vokalen: außer, reißen, Preußen. Nach einem einzelnen kurzen Vokal ist ein ss die richtige Wahl: Fluss, Kuss, Masse, Kongress usw. Bei einem einzelnen langen Vokal liegt man mit ß richtig: Gruß, Maß, Fußball oder eben: Straße.

 

Das Gleiche und dasselbe

Wie schön, dass die deutsche Sprache präzise ist – so präzise etwa, dass sie unterscheidet zwischen dasselbe und das Gleiche. Einige Zeitgenossen nehmen es mit der Unterscheidung nicht so genau, dabei kann man, bei richtiger Anwendung, so wunderbar punktgenau beschreiben, was man meint:

Dasselbe meint das Identische, während das Gleiche zwei Dinge gleichen Aussehens beschreibt. Wenn Sie und Ihr Gast dasselbe Glas benutzen, trinken Sie beide aus einem einzigen Glas. Benutzen Sie gleiche Gläser, stehen zwei davon auf dem Tisch. Wenn Sie als Augenzeuge der Polizei gegenüber sagen, dasselbe Auto sei nach dem Banküberfall von einem maskierten Mann weggefahren worden, behaupten Sie, dass es sich um das Fahrzeug des Bankräubers handelt. Sprechen Sie von dem gleichen Auto, handelt es sich um ein Fahrzeug, das lediglich so aussieht wie das des Bankräubers.

Nur in Ausnahmefällen hat man folglich dasselbe Buch gelesen oder denselben Cocktail bestellt oder dieselbe Reise gemacht, denn meist handelt es sich dabei um zwei Bücher und Cocktails usw. Das heißt also auch: Denselben Fehler macht man tatsächlich nie wieder, höchstens den gleichen …

 

Stichwort: Dudenempfehlungen

Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung war unter Sprachexperten in den Details umstritten. Seit dem 1. August 2006, also seit genau fünf Jahren, ist die überarbeitete Form in Kraft und damit für Verlage, Zeitungen, aber auch Texter verbindlich.

Bei vielen Schreibungen sind seither verschiedene Varianten zulässig. So kann man in Fragen der Rechtschreibung den Duden sowohl zu Rate als auch zurate ziehen – beide Schreibweisen sind korrekt. Diese Auswahlmöglichkeiten stellen professionelle Schreiber vor Herausforderungen: Schließlich will man eine einheitliche Schreibung innerhalb eines Manuskripts oder einer Publikation gewährleisten.

Deshalb orientieren sich Redaktionen und Verlage in der Regel an den sogenannten Dudenempfehlungen, die im Duden gelb unterlegt sind. Denn in allen Fällen, in denen für es für ein Wort mehr als eine zulässige Schreibweise gibt, führt der Duden alle korrekten Varianten auf und empfiehlt dann eine davon. Wer den Duden zurate zieht, sieht, dass diese Schreibvariante den Dudenempfehlungen entspricht.

Wortkultur | Dr. Ana Kugli folgt bei der Erstellung oder Überarbeitung von Texten den Dudenempfehlungen. Auf ausdrücklichen Wunsch des Auftraggebers kann aber auch die alte Rechtschreibung als Grundlage dienen.